Mai 2002 - Sommerlehrgang in Kamen
 Die Trainer
Wenn Meister zu Schülern werden
Fast hätte es gereicht zu einem neuen Teilnehmerrekord beim diesjährigen Karate-Lehrgang in den Sporthallen der Gesamtschule in Kamen. Einen kleinen Rekord konnte der veranstaltende Kamener Karateverein aber dennoch verzeichnen: unter den ca. 650 Teilnehmern fanden sich erstmals weit über 100 Karatemeister/innen (Schwarzgurt) aus dem In- und Ausland. "Wenn Du in einer Sache Meister geworden bist, sollst Du in einer anderen Sache zum Schüler werden". Dieses alte chinesische Sprichwort haben viele Teilnehmer zu Ihrem Lebensmotto erkoren und unterwerfen sich trotz langjähriger eigener Erfahrung immer wieder einer Situation, in der sie neue oder andere als die bisher bekannten Aspekte der Kampfkünste vermittelt bekommen und ausprobieren können. Selbst einige der Lehrgangstrainer waren, wenn es die Zeit erlaubte, während der freien Stunden unter den Schülern in anderen Trainingseinheiten zu finden.
Viele haben selbst eigene Karate-Dojos (Karateschule) und sind im Trainingsbetrieb vor Ihren Schülern gefordert. Warum ein Karatemeister sich freiwillig wieder zurück in die Reihe stellt, ist zu verstehen, wenn man die vielen verschiedenen Aspekte der Kampfkünste betrachtet. Karate-Do bedeutet das immerwährende Streben nach Perfektion, wohlwissend, daß man die höchste Stufe nie erreichen wird. (Foto: Martin Nienhaus)
In diesem Sinne bot der Lehrgang auch für viele derjenigen Überraschungen, die vielleicht gedacht hatten, sie könnten nichts mehr dazu lernen. Die Lehrgangsthemen reichten wieder von den Exkursionen in die Geschichte der Kampfkünste mit vielen Anekdoten aus dem Erfahrungsschatz der "alten" Meister über die traditionellen Trainingsmethoden hin zu moderner Trainingslehre, von den Anfängen des modernen Wettkampfkarate zur heute aktuellen Situation im Turnierbetrieb.
Weitere Themen waren die Selbstverteidigung mit und gegen Waffen, die Erkenntnisse der modernen Kinesiologie (Bewegungslehre) und deren Verbindung mit den Weisheiten der alten chinesischen Medizin und der Umgang mit sogenannten traditionellen Karate-Waffen wie dem Bo (Kobudo=Waffenkarate).
(Foto: Ulli Schlee)
Als Kobudo-Expertin war wieder Katherine Loukopoulos (links) aus Griechenland eingeladen und gab neben den schweiß- treibenden Lektionen Demonstrationen ihres Könnens.
Aus England war Leo Lipinski angereist, der mit Geschichten aus seinen über 40 Jahre andauernden Studien der Kampfkünste in aller Welt besonders die jüngsten Teilnehmer zu begeistern wusste. Aber auch die erfahrenen Kämpfer konnte er beeindrucken, eine seiner Vorlieben ist es, immer die grössten und kräftigsten Karateka als Partner oder Demonstrationsopfer zu "gebrauchen". Wenn er dann mit superschnellen Techniken in Sekundenbruchteilen ohne erkennbaren Ansatz seine Klasse aufblitzen ließ, waren die Zweifel an den zuvor theoretischen Ausführungen ausgeräumt.
Neben den praktischen und theoretischen Übungen gab es auf Initiative von Jürgen Hornung, Karatelehrer aus Berlin, auch ein Karateturnier für Kinder, Jugendliche und Senioren. Neu war hier das Starterfeld Ü35 für Karateka ab 35 Jahre, das überraschend gut angenommen wurde, wobei der 62 Jahre alte Horst Schmidt aus Berlin durch eine beeindruckende Vorstellung den 2. Platz erringen konnte.
Dass die Verhältnisse in und um die Gesamtschule für eine Veranstaltung dieser Qualität geradezu ideal sind, erwies sich besonders am Freitagabend, als das schlechte Wetter die Teilnehmer weitgehend unbeeindruckt ließ. Der Stadt Kamen, der Schulleitung und allen Beteiligten gebührt für diese Nutzungsmöglichkeit wieder grosser Dank.
Da die durchschnittliche Teilnehmerzahl seit Jahren einen Aufwärtstrend aufweist, ist sich Initiator Fritz Nöpel sicher, dass sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt, zumal dann u.a. wieder hochrangige Karatemeister aus Japan eingeladen werden.
(Foto: Fritz Nöpel und Axel Koschorreck)
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